30.9.2006 (01:11)

Die dritte Woche

Mittlerweile ist nun schon die dritte Woche meines Parisaufenthalts um. Ich habe mich sehr gut eingelebt, weiß, wo ich was finde und komme prima mit meinen beiden Zimmergenossinnen Maria Paz (der Argentinierin) und Raquel (aus San Sebastian) zurecht. Da es hier im Wohnheim einige Spanierinnen gibt, hat sich quasi schon eine kleine Spanisch-Fraktion gebildet. Manchmal sitzen die dann bei uns auf dem Zimmer und erzählen, was sie den ganzen Tag über so gemacht haben. Wenn ich dabei bin, versuchen sie es sogar auf Französisch.

Letzte Woche war bei mir Kursbeginn. Gewählt habe ich insgesamt fünf Kurse - Marketing, Contrôle de Gestion (Controlling), Conférence de Méthodologie (Methodik), Techniques de Négociation (Verhandlungstechniken) und Französisch aus dem zweiten, dritten und fünften Jahr, wobei alle Kurse auf Französisch gehalten werden. Das ist sehr, sehr anstrengend und erfordert ein hohes Maß an Vor- und Nachbereitung. Trotzdem verstehe ich z.B. in Marketing sehr wenig von dem, was der Professor erzählt (er redet furchtbar schnell und nuschelt); auch das Wenige, was er an die Tafel schreibt, kann ich so gut wie gar nicht lesen, weil er so eine Sauklaue hat. Aber die französischen Studenten sagen, dass das, was Monsieur Lhermie (der Professor) so erzählt, gar nicht so wichtig ist und ihn auch keiner wirklich versteht (wie auch, wenn sich alle untereinander unterhalten!?).
Das Eigenartige an den Vorlesungen ist, dass sie nie zu ein und derselben Zeit oder in ein und demselben Raum stattfinden, wie das in Deutschland oder an den anderen Unis bzw. Schulen hier der Fall ist. Jede Woche bekommt man den aktuellen Stundenplan zugeschickt, die Raumbelegung erfährt man erst vor Ort von einem großen Monitor am Eingang. Außerdem haben wir gar keine richtige Mensa, nur eine kleine Cafeteria, in der man mittags ein Stück Fleisch mit Pommes zum überteuerten Preis von 6 essen kann. In den Mensen von Marias und Raquels Hochschule kann man für weniger als 3 essen- das werde ich demnächst wohl auch machen.

Mit meinen Sightseeing Plänen bin ich noch nicht wirklich weit gekommen: Ich habe nämlich feststellen müssen, dass mich die Menschenmassen hier ganz schön wütend machen; überall so ein Gedränge, man kann die schönen Seiten Paris gar nicht richtig genießen. Also habe ich angefangen das Metroverhalten der Pariser zu studieren und festgestellt, dass man super zwischen 10 Uhr und 15 Uhr Metro fahren kann. Das ist ja schon mal was. Und die Hauptzeit der Touristen ist bestimmt auch bald vorbei (hoffe ich). Mit anderen Worten: Wenn ich morgens keine Vorlesung habe, versuche ich bis nachmittags möglichst stressfrei ein paar Sehenswürdigkeiten aufzusuchen.